Bogenvorstellung: „Dreieck“ von AF Archery

So wird dieser Bogen auf der Händlerseite von AF im Portal Aliexpress tatsächlich bezeichnet, schaltet man auf die englischsprachige Version um, heißt das Gerät folgerichtig Triangle.

Was AF Archery beim Entwurf geritten hat, bleibt im Dunklen. Waren es Darstellungen antiker ägyptischer Angularbögen? Oder die steigende Popularität kurzer Hybridbögen à la Bodnik Slick Stick, Ron LaClairs Shrew u.a.? Ich habe auch schon von historischen chinesischen Bögen in dem Stil gehört. Man könnte mutmaßen, dass die erste Vermutung richtig ist, dafür spricht folgendes Indiz: die Bezeichnung des Bogenmodelles auf der amerikanischen Amazonseite lautet Ka Die Shi. Es könnte sich um eine unglückliche Übertragung aus dem Arabischen ins Chinesische und zurück ins Englische der syrischen Stadt Kadesh handeln, hier tobte im 13. Jahrhundert unter Ramses II eine bedeutende Schlacht der Ägypter gegen die Hethiter; die Chroniken berichten von Kompositbögen, die neben Bronzeschwertern die Hauptbewaffnung der ägyptischen Armee waren. Es gibt zahlreiche zeitgenössische Darstellungen auf Gefäßen, Reliefs usw.

Das Dreieck ist 58″ (AMO) lang und ganz schlicht gearbeitet. Die bei den asiatischen Bögen des Herstellers üblichen Overlays am Griff oder aufwändig gestaltete Tips gibt es nicht, auch kein Zierfurnier. Nur ein dünnes Griffstück aus Walnuss mit einem schönen Ledermantel und zwei Pfeilanlagepunkten links und rechts, schwarzes Glas an Rücken und Bauch, fertig. Keine Pfeilauflage, kein Shelf, kein Pistolengriff. Gegen einen saftigen Aufpreis gibt es eine hübschere Version des Bogens, dann mit Vogelaugenahorn unter klarem Glas… ich habe es lieber schlicht. Das filigrane Griffstück wird oben von einem, am Bauch von zwei Bambuslaminaten eingefasst, die über die gesamte Länge der Wurfarme eine konstante Stärke aufweisen. Die Tips scheinen aus Micarta zu bestehen, sie sind von mittlerer Größe und kugelförmig ausgearbeitet. Hält man den Bogen neben einen Slick Stick, fällt der krasse Reflex der Wurfarme auf, die Enden stehen anderthalb oder zwei Zoll weiter über als die des Bodnik. Zusammen mit dem simplen Griff und dem Fehlen des Shelfs hätte ich eine solche Schleuder früher für unschießbar gehalten. Übrigens darf der Bogen bis 32″ gezogen werden und das geht auch! Kein Stacking spürbar.

Aber ich hatte ein Auge auf den Ka Die Shi geworfen, um ihn wie einen Langbogen zu schießen und zwar mit Holzpfeilen. Wenn schon Streuung, dann richtig. 😜 Armin Hirmer hatte den Bogen natürlich auch längst in der Hand, wer wissen möchte, wie er sich mit dem Daumen geschossen verhält, hier ist sein Review. Bestellt hatte ich den Bogen mit 45 Pfund, wohl wissend, dass er tatsächlich ein geringeres Zuggewicht haben würde. Gut so, ich habe 38# gemessen. Passende Pfeile habe ich noch nicht, nur ein paar zu steife aus Fichte aber selbstverständlich bin ich trotzdem sofort nach dem Auspacken los und habe unseren Vereinsparcours unsicher gemacht.

Immer wieder drängte sich der Vergleich mit dem Slick Stick auf, vor einigen Jahren hatte ich diesen Bogen viel geschossen, mit mäßigem Erfolg allerdings. Gleich zu Beginn fiel der deutlich harmonischere Auszug auf und gefühlt ist das Dreieck auch um einiges flotter als der auch nicht gerade langsame Bodnik. Selbst mit den mittelschweren (ca. 10 gpp) und unpassenden Pfeilen. Im oben verlinkten Video schießt Hirmer mit um die 195 fps durch den Chrony, wenn auch mit dem Daumen und entsprechend längerem Auszug. Trotzdem beeindruckende Werte für 10 oder 10,5 gpp Pfeile. Was mich jedoch vom Hocker riss, war die Präzision! Die Fotos von den Erdhörnchen und dem Wildschwein sind nicht gestellt – das dritte Erdhörnchen wurde übrigens nicht getroffen, der Pfeil landete daneben in einer Eiche und ist in drei Teile gebrochen. Mir fehlt die schlüssige Erklärung dafür, jedenfalls schießt der Bogen exakter dorthin wo ich will als der Bodnik trotz Shelf, Carbonpfeilen und weniger Reflex. Der Nullpunkt liegt bei mediterranem Griff bei ziemlich genau 50 Metern. Wir haben einen dicken Hirsch auf diese Distanz stehen und man kann genau „reinhalten“ – nicht übel angesichts der technischen Daten.

Der wirklich zierliche Griff passt erstaunlich gut, der Bogen fühlt sich fast wie ein Selfbow an. Die Sehne schwingt etwas nach aber das ist durchaus im Rahmen. Handschock vermag ich beim besten Willen nicht zu spüren, auch wenn Armin Hirmer das bemängelt. Es ist alles in allem ein wahrer Genuss, dieses Leichtgewicht mit in den Wald zu nehmen, meine nicht besonders hohen Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Sicher ist das kein Turnierbogen, falls es so etwas überhaupt gibt. Eher der Schießer, den man für eine flotte, entspannende 3D-Runde vom Haken nimmt, eine willkommene Abwechslung vielleicht für Bögen, die man mit mehr Ernst zum Training ausführt.

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